Geschichte des Turnverein 1848 Meisenheim e.V.

In der Festschrift zum 125 jährigen Vereinsjubiläum schrieb der Autor O. Stud. Dir. Karl Buß.: "Die Geburtsstunde des Turnvereins 1848 Meisenheim e.V. schlug im Jahre 1848." Es war eine Zeit in der die Pariser Februar Revolution auch in Deutschland ihre Wirkung zeigte. Die Zeit des Gottesgnadentums, der gottgewollten Obrigkeit schien  der Vergangenheit anzugehören. Am 18. Mai 1848, in der Paulskirche in Frankfurt, beschlossen die vom Volk gewählten Abgeordneten einen Nationalstaat zu schaffen und dem Volk eine freiheitliche Ordnung zu geben. In diesen schicksalsschweren Tagen regten sich auch Turner, Sänger und Schützen. Sie beschlossen, nach dem die Beschränkungen durch die Obrigkeit gefallen waren, im Geiste der Freiheit die Verantwortung in die Hand zu nehmen. Aus dieser Begeisterung heraus wurde auch der Turnverein 1848 Meisenheim e.V. gegründet. Der erste Turnplatz des Vereins wurde im Mai 1848 in der Schillerstraße eingeweiht. Bereits im Juni 1848 zogen die Turnerinnen und Turner nach Odernheim auf den Disibodenberg zu einer nationalen Feierstunde, in der Hoffnung auf eine baldige Vereinigung mit den fremdnachbarlichen Gemeinden der Pfalz. Aber bald zeigte es sich, dass die Großmächte Preußen und Österreich stärker waren als die Märzrevolution von 1848 und so wurde  auch der Turnverein 1848 Meisenheim e.V. im Jahre 1852 verboten. Im Jahr 1860 wurde ein Antrag an die Landgräflich Hessische Regierung in Homburg gestellt, eine Turnanstalt für Knaben und Erwachsene zu errichten. Der Antrag wurde mit der Einschränkung bewilligt, dass die „Turnanstalt nicht in einen Turnverein ausarte“ und Bewilligung für Erwachsene nicht erteilt wird. Die Aufsicht musste allerdings durch Lehrer der Schulen geführt werden. Im Jahre 1867 wurde der Turnverein wieder gegründet. Eine einschneidende positive Veränderung ergab sich im Jahre 1911. Die ev. Kirchengemeinde Meisenheim kaufte die frühere lutherische Kirche zurück, die längere Zeit als Fruchtmagazin gedient hatte. Dabei entstand durch Umbaumaßnahmen im Untergeschoß eine Turnhalle. Dadurch ergab sich für Schulen und den Turnverein endlich ein geregelter Übungsbetrieb für das ganze Jahr.

Der Turnverein zur Zeit des Nationalsozialismus 1932 bis 1945

Ab 1931 begann durch die politische Entwicklung die Vereinsarbeit nachzulassen. Im Jahre 1933 ging die ges. Turnerjugend geschlossen zur Hitlerjugend über. Dadurch kam  auch der Turnbetrieb zum Erliegen. Im Jahr 1933 kam die Gleichschaltung. Das war die ideologische und organisatorische Ausrichtung aller politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Organisationen und Institutionen auf die herrschende Partei. Die Gleichschaltung wurde innerhalb des Vereins am 22. Mai 1933 im Lokal Franzmann vollzogen. Im Jahr 1934 wurde von dem NSDAP Ortsgruppenleiter
Jakob Kiehl verlangt, dass alle Meisenheimer Vereine unter eine einheitliche Führung gebracht werden. Der Turnverein  trug ab dem 1. Januar 1938 die Bezeichnung „Verein für Leibesübungen e.V.“ Der neue Verein ist hervorgegangen aus dem Turnverein und dem Fußballclub Meisenheim 1907. Vereinsführer des neuen VfL Meisenheim wurde Fritz Walter, zuvor FC Meisenheim 1907. Mit dieser Eintragung enden die Aufzeichnungen in den Protokollbüchern bis zur Wiedergründung des Vereins im Jahr 1950. Im Jahr 1950 fand die Gründungsversammlung statt. Gewählt wurden als:
1. Vorsitzender Heinrich Beisiegel
2. Oberturnwart Peter Engbarth
3. Frauenwartin Johanna Nesselberger

Wappen Turnverein MeisenheimDie erste Teilnahme an einer Turnveranstaltung fand bereits im Sommer 1951 beim Sommerfest in Callbach und am Kreisturnfest in Medard statt. Im Jahr 1952 hatte der Verein schon wieder 350 Mitglieder und sich inzwischen dem Turngau Nahetal angeschlossen. Im Jahr 1965 wurde die Turnhalle an der Deslocher Straße eingeweiht. Dadurch konnten die Aktivitäten gesteigert werden die sich folglich auch positiv auf den Turnbetrieb ausgewirkt haben. Im Jahr 1968 richtete der Turnverein das Bezirks- und das Gaukinderturnfest aus. Im Jahr 1970 wurde Peter Engbarth für seine außerordentlichen Verdienste für den Turnverein Meisenheim und für den Turngau-Nahetal der Ehrenbrief des Deutschen Turnerbundes verliehen. Im Jahr 1973 feierte der Turnverein sein 125 jähriges Vereinsjubiläum. Im Jahr 1975 richtete der TVM das Gauturnfest aus Etwa 1200 Teilnehmer bevölkerten 3 Tage lang die Glanstadt. Im Jahr 1981 wurde die DLRG Gruppe Meisenheim aufgelöst und als Schwimmabteilung in den TVM aufgenommen. Durch diesen Zusammenschluss kamen  rd. 100 neue Mitglieder zum TVM hinzu. Im Jahr 1983 bis 1998 wurden in den Abteilungen Leichtathletik, Turnen, Volleyball, Wandern, Schwimmen, Kanufahren, Show Tanz, Klettern, Laufen, Basketball, Gymnastik, Badminton, Wassergymnastik, Abenteuer Erlebnissport, Zeltlager und Kunstspringen bemerkenswerte Akzente gesetzt. Der Verein entwickelte sich sehr positiv und steigerte seien Mitgliederbestand auf knapp 1500 im Jahr 1998. Im Jahr 1998 feierte der Verein seinen 150 jährigen Geburtstag. Schon im Jahr 1996 wurde ein Jubiläumsausschuss gebildet, der in unzähligen Sitzungen die Vorbereitungen in die Hand genommen hat, Im Reiterstübchen auf dem Hof Wieseck, bei Familie Gravius, wurde die Strategie entwickelt, wie das Jubiläumsjahr logistisch ablaufen sollte. Auch ein Vereinslogo wurde konzipiert mit dem Text „Bleib fit mach mit“ das bis heute, den Grundgedanken des Verein wiederspielgelt und auf allen Vereinsdokumenten und Veröffentlichungen seinen Platz hat. Dazu wurde ein Veranstaltungskalender-Jubiläumspass zusammengestellt, in dem alle 12 Veranstaltungen festgeschrieben und somit der Fahrplan für das Jubiläumsjahr anschaulich dargestellt wurde. Die Jubiläumsfeier fand in der  großen Aula des Paul Schneider Gymnasiums statt. Der Festakt war eine gelungene Feier bei der Vertreter  der befreundeten Vereine, der Turn-Nahetal, vertreten durch den Vorsitzenden Peter Geib, Landrat K.O. Velten und der Innenminister des Landes Rheinland Pfalz Walter Zuber Festreden hielten, Glückwünsche überbrachten und div. Ehrungen vorgenommen haben.

In den Folgejahren bis 2017 spürte der Verein, wie viele Vereine in unserer Region, den Einfluss und die allgemeine Entwicklung in Bezug auf Unterstützung und Zugehörigkeitsgefühl in der Bevölkerung. Die Vereine werden mehr und mehr als Dienstleister gesehen, die mit den Angeboten der kommerziellen Anbieter konfrontiert sind und mit den Auswirkungen daraus zu kämpfen haben. Auch die mangelnde Unterstützung durch die Mitglieder des Vereins machen es dem Vorstand immer schwerer, bei Veranstaltungen die notwendigen Positionen zu besetzen. Was unserem Turnverein 1848 Meisenheim e.V. in den letzten Jahren große Sorgen und Probleme bereitet hat, waren geeignete Räumlichkeiten zu finden, damit ein ordnungsgemäßer Übungsbetrieb aufrecht erhalten werden konnte. Seit dem die Turnhalle an der Deslocher Straße dem Verein für den  Turnbetrieb nicht mehr zur Verfügung stand, war die vordringlichste Aufgabe, Trainingsmöglichkeiten zu finden, damit die 21 Wochenstunden aus der TH Deslocher Straße in andere Turnhallen verlagert werden konnten. Der Vorstand ist froh und dankbar, dass er in der Kirchengemeinde Meisenheim, im Bodelschwinghzentrum und in der Kooperation mit dem Paul Schneider Gymnasium Partner gefunden hat, die es ermöglichen, einen regelmäßigen Übungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Natürlich ist diese Verlagerung mit erheblichen Kosten verbunden, die dem Verein eine sparsame Finanzpolitik auferlegen und die Anpassung der Mitgliedsbeiträge zur Folge haben. Wenn auch der Bestand an Mitgliedern in den letzten 19 Jahren sich bei rd. 1000 stabilisiert hat, ist der Verein mit seinen 16 Abteilungen und 25 Übungsleiterinnen und Übungsleiter gut aufgestellt. Die Leistungsträger im Wettkampfbereich sind nach wie vor unsere Läuferinnen und Läufer, die Leichtathleten, die Turnerinnen und die Kunstspringer, die es zu nationalen
und internationalen Titeln gebracht haben. Insgesamt gesehen steht der Turnverein 1848 Meisenheim e.V. finanziell und sportlich auf gesunden Füßen und kann seinen Zukunftsaufgaben gerecht werden.

 

 

Mitmachen - Sport machen - Fit Bleiben